Webinare lernwirksam zu gestalten, ist wie Wandern in der Gruppe. Wer schon mal eine solche Wanderung vorbereitet hat, weiß: Es kommt auf ein attraktives Ziel, eine gute Vorbereitung, die Gruppe der Teilnehmenden, Stopps am Wegesrand und einen anregenden Weg an.

Denn jede Person in der Gruppe kommt mit eigenen Potenzialen und (positiven wie negativen) Erwartungen im Rucksack in den Webinarraum. Nicht alle sind pünktlich da und nicht alle sind gleich gut ausgestattet mit Webcam, Headset und persönlicher Liebe zur Online-Präsenz. Bei der Wanderung geht es darum, diese Potenziale zu nutzen und Lernhemmnisse aus dem Weg zu räumen, hier dazu fünf Tipps:

Tipp 1: Die Teilnehmenden vorab befragen

Zu jeder guten Vorbereitung gehört die Frage – wohin soll die Reise gehen? Für die Planung nutzen wir häufig drei verschiedene Ansätze:

  • Bei Unternehmen und Organisationen sprechen wir zunächst detailliert mit den Auftraggebern und stimmen unsere Webinare auf deren Erwartungen ab. Für ein vollständiges Bild erhalten die Teilnehmenden vorab einen Online-Fragebogen. In diesem erheben wir ihre Erwartungen und Fragen. Manchmal ergibt sich daraus die Erkenntnis: Das Training muss einen anderen Weg nehmen als zunächst gedacht.
  • Für die Befragung vorab setzen wir beispielsweise Typeform, Mentimeter oder umbuzoo ein. Mit der Befragung klären wir inhaltliche Erwartungen und erheben, wie viel Erfahrung die TN bereits in der Nutzung von Webinarplattformen und Tools haben. Besonders letztere Information ist wichtig für die Zeitplanung, da für das Erklären und Einüben der Tools im Webinar jeweils ausreichend Zeit eingeplant werden muss.
  • Für die Vorbereitung nutzen wir auch die Methode Action Mapping der amerikanischen E-Learning-Autorin Cathy Moore. Bei ihr steht nicht das Wissen im Vordergrund einer Lernkonzeption, sondern die Umsetzung im Alltag: Was sind die konkreten Tätigkeiten im Berufsalltag, für die Wissen benötigt wird? Was sollen die Lernenden nach der Veranstaltung tun können?

Online-Umfragen

Befragungen, hier mit Mentimeter, aktivieren die Teilnehmenden. Die Tools bieten verschiedene Layouts, die auch noch angepasst werden können.

Tipp 2: Die Teilnehmenden auf verschiedenen Wegen aktivieren

Unabhängig von der Art der Veranstaltung streben wir einen hohen Aktivitätsgrad der Teilnehmenden an.

Die Gruppe soll sich auf der Videoplattform orientieren und sich auf schriftlichem, mündlichem und kreativem Wege beteiligen können. Da wir häufig mit Gruppen mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen und unterschiedlicher technischer Ausstattung arbeiten, bieten wir die Kommunikation auf mehreren Kanälen an: Wer über Ton verfügt, kann sich mündlich beteiligen; wo es beim Ton hapert, ist eine Chatmeldung möglich.

Dies erfordert hohe Konzentration bei der Moderation, so dass wir häufig zu zweit moderieren. Der Wechsel von Stimme, Gesicht und Moderationsstil schafft jeweils neue Aufmerksamkeit auf Seiten der Teilnehmenden und wird in Feedbacks häufig als sehr lebendig gelobt. Auch die Feedbackerhebung ist uns wichtig. Die TN können am Ende jeder Veranstaltung per Link anonym abstimmen, was ihnen gefiel und wo sie Verbesserungsbedarf sehen.

Als aktivierend und bereichernd erleben die Teilnehmenden während unserer Webinare auch die so genannten Breakout Rooms für Kleingruppen. Breakout Rooms bauen wir regelmäßig in Webinarreihen ein – zum Kennenlernen, zur Vertiefung eines Themas oder zur Entscheidungsfindung.

Tipp 3: Energizer einsetzen

Um Begegnung und Teilnehmerbindung im Webinar zu ermöglichen, nutzen wir Energizer: Kurze gemeinsame interaktive Spiele vor dem Bildschirm, mit dem sich auch vermeintlich passive Teilnehmende begeistern lassen. Auch jede Wanderung lebt davon, dass sich die Wandergruppe kennenlernt und zwischendurch kleine Erlebnisse sammelt.

Eine schöne Kennenlernübung ist die folgende: Die Teilnehmenden schalten Webcam und Audio frei und wählen die Galerieansicht für die Bilder der Webcams, so dass mehrere Kameraansichten nebeneinander und untereinander auf dem Bildschirm erscheinen.) Die Moderation sucht sich eine Person in der Gruppe aus und fragt „Wo in der Welt ist …[Name
der Person]?“. Alle TN müssen nun in die Richtung zeigen (oben, unten, links oder rechts), in der die Person von ihnen aus in der Galerieansicht erscheint. Wenn das passiert ist, stellt diese Person als nächste die Frage „Wo in der Welt ist …[Name einer
weiteren Person]?“ und so geht es reihum, bis alle TN gefunden wurden. Sorgt für Gelächter und schult zugleich das Namensgedächtnis!

Bild eines labyrinth

Energizer: Wer ist zuerst am Ziel?

Auf dem Whiteboard: Jede Person zieht eine Linie von Start zum Ziel. Wer schafft es als erstes? Eine gute Übung, um die Arbeit mit dem Whiteboard zu erproben.

Spaß macht auch der Mikrowurf zum Aufrufen des nächsten Diskussionsbeitrags: Einfach per Geste und mit Ansage das Mikro aus dem eigenen Bild “werfen” und darum bitten, dass eine Person es “auffängt”.

Auch Energizer für die Bewegung kommen gut an: Einfache Yogaübungen mit zur Seite gestreckten Armen und geschlossenen Augen helfen gegen einen verspannten Nacken. Um zwischendrin neue Konzentrationsimpulse zu setzen, eignen sich auch Denksportaufgaben wie Logikpuzzle, Wort- und Bilderrätsel. Diese Aufgaben können auch mit dem Thema kombiniert werden, z.B. Teilnehmer erraten die wichtigsten Begriffe des nächsten Themas.

Tipp 4: Tools und Medien einsetzen

In unseren Veranstaltungen führen wir einen Rucksack unterschiedlicher Tools und Medien mit, die wir bei Bedarf einsetzen: von der einfachen pdf-Datei über Listen mit weiterführenden Links bis hin zum externen Online-Tool.

Gute Erfahrungen haben wir mit Online-Tools wie z.B. Padlet, Miro oder Klaxxoon gemacht, die wir häufig anstelle eines
vorhandenen Whiteboards einsetzen. Mit diesen Tools sehen die Ergebnisse einer Gruppenarbeit häufig besser aus und können auch leichter weiter bearbeitet werden.

Gerne nutzen die Teilnehmenden auch kurze Quiz, die wir mit dem Autorenwerkzeug H5P erstellen. Diese Quiz setzen wir in der Vor- und Nachbereitung von Webinaren ein.

Mit diskussionsfreudigen Gruppen nutzen wir Foren, die wir über die Lernplattform Moodle bereitstellen. In diesen von uns betreuten Foren kann eine Diskussion auch über den angesetzten Webinar-Zeitraum hinweg fortgeführt werden. Dies fördert in der Regel die sachliche Tiefe und die Beteiligung aller Teilnehmenden.
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Tipp 5: Blended Learning entwickeln

Wer viel wandert, findet neue Wege. Während wir bisher für Kunden oft Präsenzveranstaltungen und Webinare zu einem Blended Learning kombiniert haben, erproben wir seit längerem Blended Online Learning Konzepte.

Webinare stehen dabei häufig im Mittelpunkt der Konzeption. Dabei verfolgen wir meist den Ansatz des Flipped Classroom, des “umgedrehten Unterrichts”: Die Informationsvermittlung lagern wir in Videos, kurze Online-Präsentationen, Quiz oder auch in Skripte aus. Diese Materialien bearbeiten die Teilnehmenden während der Selbstlernphasen(weitgehend) zeitlich unabhängig von den Webinaren. Die Webinare nutzen wir zur Sicherung des Lernerfolgs, zur Vertiefung oder zur Diskussion über das Gelernte. Diese Blended Online Learning Konzepte bauen wir aktuell weiter aus, um der wachsenden Bedeutung von Webinaren gerecht zu werden. Wir sind gespannt, wohin uns dieser Weg führen wird.

Fazit

Webinare nachhaltiger zu gestalten heißt vor allem eins: flexibel bleiben und die Tools nutzen, die einem selbst und den Teilnehmenden entsprechen. Wer für einen roten Faden im Webinaraufbau sorgt und ein interaktives Programm zusammengestellt, wird den Aufstieg zum Gipfel auf jeden Fall meistern.

Über die Autorinnen

Claudia Musekamp ist Autorin des Buches “Webinare für Einsteiger” (2010 / vergriffen) und Geschäftsführerin von Infoport in Berlin.
Ann Rogalski ist Webinar-Trainerin und E-Learning-Autorin bei Infoport mit dem Schwerpunkt “Aktivierende Methoden”.
Die E-Learning-Agentur Infoport unterstützt seit 2002 Unternehmen und Organisationen bei der Implementierung von E-Learning mit Didaktik, Technik und Prozessberatung.

Hinweis: Für Webinare setzt Infoport die Open Source-Plattform Big Blue Button ein.

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Sprechen Sie uns an! Wir beraten Sie zu Schulungen und Workshops: Tel. 030 – 55 28 33 65

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