Das E-Learning soll motivierend sein, diese Anfoderung hören wir oft von unseren Kunden. Was ein langweiliges E-Learning ausmacht, ist leicht zu beantworten: Textwüsten, viel Theorie und eine lieblose Gestaltung. Aber welche Ansatzpunkte gibt es für motivierende Gestaltung? Das ARCS-Modell des amerikanischen Lernpsychologen John Keller beschreibt vier Motivationsfaktoren. Was diese Faktoren genau bedeuten und wie man sie im E-Learning (Webbased Training) umsetzt, beschreibt dieser Artikel.

Vier Faktoren

Für Keller sind vier Faktoren entscheidend sind, um die Motivation der Lernenden zu sichern und vor allem zu halten:

  • die Aufmerksamkeit erlangen (attention)
  • relevante Inhalte anbieten (relevance)
  • das Gefühl der Selbstwirksamkeit der Lernenden stärken (confidence)
  • die Befriedigung über Erreichtes fördern (satisfaction).

1. Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit erlangen und halten

Ein gut gemachtes E-Learning ist interaktiv, d.h. die Lernenden werden aktiviert, sie können Elemente auf dem Bildschirm anklicken oder müssen Fragen beantworten. Die Lernenden sind eingeladen, auf die Informationssuche zu gehen, sie werden angeregt Probleme oder Fallbeispiele zu lösen.

Für die Gestaltung von E-Larning heisst das:

  • audiovisuelle Effekte: animierte Grafiken, Töne und Sprache
  • Interaktionen (Quiz, Drag & Drop)
  • provokative oder widersprüchlich wirkende Aussagen bzw. Bildinhalte, unerwartete Ereignisse oder Inhalte (Ausnahme: nicht in 1. Lernphase)
  • Variation der Arbeitsanweisungen

Das heisst, E-Learning macht kein Angebot zum Konsumieren. Und natürlich trägt auch die Ansprache verschiedener Sinneskanäle dazu bei, die Aufmerksamkeit zu steigern:

2. Relevanz

Relevante Inhalte anbieten

Wer ein E-Learning gestalten will, geht in der Regel davon aus, dass die Lernenden wissen, dass ein Thema für sie relevant ist, wie z.B. der Datenschutz. Häufig ist es jedoch wichtig, den Lernenden genau das zu vermitteln, warum ein Inhalt für sie wichtig ist, wie er sich in ihrem Alltag niederschlägt und wie das Gelernte auch dazu beitragen kann, die Arbeit einfacher zu machen oder mehr Sicherheit zu geben. Dazu hilft es, an vorhandenes Wissen anzuknüpfen.

Für die Gestaltung heisst das:

  • Persönliche Ansprache
  • Verwendung eines Avatar (Figur, die zu den Lernenden spricht)
  • Fallbeispiele
  • Szenarien

3. Selbstwirksamkeit

Das Selbstvertrauen der Lernenden stärken

Lernende erwarten Erfolg, d.h. es wichtig, das Scheitern in Grenzen zu halten. Ein E-Learning, in dem Lernende dauernd gemeldet bekommen: „Falsch“ oder „leider nicht“, wird nicht lange begeistern können. Wichtig ist, dass sich Lernende kompetent fühlen. Dazu gehört auch ein Gefühl der Kontrolle, z.B. über die Reihenfolge, in der die Inhalte aufgerufen werden.

So lässt sich das umsetzen:

  • evtl. Test zu vorhandenem Wissen
  • Anforderungen und Bewertungen transparent machen
  • Aufbau und Lehrziel des Moduls klar machen
  • Angemessener Schwierigkeitsgrad /von leicht nach schwer
  • Ausstiegsmöglichkeit bieten,
  • Vor – und Zurückblättern ermöglichen

Die Lerner führen den Erfolg auf ihre eigene Anstrengung und Fähigkeit zurück.

4. Befriedigung

Befriedigung über Erreichtes fördern

Die Befriedigung über Erreichtes fördert die Motivation, insbesondere wenn sich das neue Wissen direkt anwenden lässt.

Im E-Learning;:

  • Transfer: Wissen erwerben, testen und sofort weiter anwenden können
  • Simulation mit echten Konsequenzen
  • Geeignete Rückmeldungen und Bestätigungen einbauen
  • Optionale Belohnungspakete anbieten

Auch für Evaluation geeignet

Alle Faktoren müssen in einem E-Learning ausreichend berücksichtigt sein. Deshalb kann dieses 4 Faktoren-Modell nicht nur eine gute Hilfestellung für die Konzeption, sondern auch für die Auswertung vorhandener E-Learning-Einheiten sein, mit dem sich schnell Schwachpunkte aufdecken lassen.

Buch: John Keller, Motivational Design for Learning and Performance: The ARCS Modell Approach.2010