Probleme und und Hindernisse beim Online-Lernen (Teil 2 von 4)
Bevor auf einige Kriterien zur Auswahl von passenden Lerninhalten genauer eingegangen wird, soll ein kurzer Problemaufriss verdeutlichen, wie Problemen und Hindernissen beim Lernen in Online-Systemen begegnet werden kann. Beim Lernen mit Hilfe von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien können Nutzern zwei grundsätzliche Probleme widerfahren. Zum einen handelt es sich hierbei um das Orientierungsproblem und zum andere das Problem der kognitven Überlastung.
Desorientierung der Nutzer
Das Problem der Desorientierung des Nutzers steht in engem Bezug zum Navigationsverhalten des Nutzers in vernetzt strukturierten Online-Systemen. Als ein solches wird bspw. das Internet in seiner Gesamtheit bezeichnet, hier sind viele einzelne Internetseiten mit unterschiedlichen Inhalten (Text, Grafik, Video, Animationen etc.) verknüpft.
Aufgrund der Fülle von Informationseinheiten kann es für den Nutzer schnell problematisch werden, erstens eine genaue Standortbestimmung innerhalb der Vielzahl der dargebotenen Inhalte, und zweitens den Ist-Zustand seines Lernfortschrittes zu bestimmen. Das Problem der Orientierung hängt somit eng mit dem der kognitiven Überlastung zusammen. Eine naheliegenden Schlussfolgerung ist, eine immer stärkere Strukturierung im Sinne einer vorgefertigten Navigationsform vorzunehmen, um Orientierungsprobleme von Nutzern in Online-(Lern)Umgebungen zu minimieren.
Dem ist zu widersprechen, da ein gewisses Maß an Desorientierung für entdeckendes Lernen als durchaus nützlich erachtet werden kann. Eine stark vorstrukturierte Navigationsabfolge resultiert in einem Nutzerverhalten, das eher fremd- als selbstbestimmt ist. Hierdurch kann und wird den individuellen Differenzen beim Lernen keinesfalls Rechnung getragen werden, da vielmehr von einer dritten Person (z.B. Designer, Programmierer, etc.) vorgegeben Lernpfade wegweisend sind. Es ist vielmehr anzustreben, dass dem Lerner verschiedene Optionen zum Erschließen von Lerninhalten zur Verfügung gestellt werden, aus denen er eigenständig den für sich passenden wählen kann. Für Lerner mit wenig Erfahrung beim Lernen mit neuen Medien ist es ratsam, einen vorgefertigten Lernpfad anzubieten, an dem sie sich orientieren können. Eine gute Unterstützung zur Orientierung des Lerners bieten Inhaltsverzeichnisse, Indizes, Maps und „Fischaugen“-Perspektiven bei denen wichtige Teile hervorgehoben und unbedeutende verkleinert dargestellt werden.
Kognitive Überlast
Wie bereits erwähnt besteht ein Zusammenhang zwischen der Desorientierung in Online-(Lern)Systemen und der kognitiven Überlast. Dieses Problem rührt daher, dass der Nutzer ein solches System stets im Gedächtnis behalten muss. D.h. der Nutzer muss sich ständig darüber gewahr werden: „Wo bin ich bereits gewesen? Was habe ich bereits gelesen? Wie und auf welchem Weg bin ich dorthin gelangt, was für Informationen muss ich mir noch ansehen und welche Möglichkeiten habe ich dorthin zu gelangen?“ Das Speichern all dieser Informationen hat nichts mit dem eigentlichen Vorgang der Informationsaufnahme und der Verarbeitung der Lerninhalte zu tun, beansprucht aber Gedächtniskapazität sowie zusätzliche Aufmerksamkeit.
Dieser Artikel ist Teil einer 4teiligen Serie:
Teil 1: E-Learning: Lernsystem und Lerninhalt richtig wählen
Teil 2: Probleme und Hindernisse beim Online-Lernen
Teil 3: Spezielles Design für Online-Kurse
Teil 4: Was heißt Interaktivität und Interaktion?
Category: Allgemein, E-Learning

